Warum wir über Prompt Engineering sprechen
Bei Beaufort entwickeln wir KI-Agenten, die reale Geschäftsprozesse Ende-zu-Ende unterstützen. Damit diese Agenten zuverlässig arbeiten, brauchen sie präzise Eingaben und klare Vorgaben. Genau dort liegt unsere tägliche Praxis als Prompt-Profis: Wir formulieren Prompts so, dass Ergebnisse konsistent, nachvollziehbar und produktiv einsetzbar sind – in Fachbereichen von Compliance über Operations bis Kommunikation.
Dieses Wissen wollen wir mit dir teilen – praxisnah wie in einem Prompt Engineering Kurs. Heute sind “Einschränkungen” an der Reihe.
Constraints: der Hebel gegen Streuung
Du kennst das sicher. Du korrigierst ChatGPT mehrfach, trotzdem bleibt der Text neben der Spur. Das liegt selten an mangelndem „Wollen“ des Modells, sondern an fehlenden Begrenzungen. Constraints – also klare Einschränkungen – ziehen Leitplanken ein. Sie bestimmen, was die Antwort enthalten darf, wie sie aufgebaut ist und in welchem Rahmen sich das Modell bewegen soll. Damit sinkt die Varianz, und die Qualität wird planbarer.
Ohne Constraints erzeugt das Modell eine höfliche, aber generische Antwort. Mit Constraints entsteht ein Ergebnis, das deinem Ziel und deiner Umgebung entspricht. Genau diesen Unterschied spürst du schon nach der ersten Fassung.
Welche Einschränkungen wirklich tragen
Ein starker Start sind Längen- und Sprachvorgaben. Wenn du „600 Wörter, klares Deutsch, keine Fremdwörter“ verlangst, zwingst du das Modell zur Präzision. Das verändert sofort Ton und Dichte. Ebenso hilfreich sind Strukturvorgaben. Wenn du drei Abschnitte mit je einer Zwischenüberschrift verlangst, entsteht eine prüfbare Form. Du kannst jede Fassung nebeneinanderlegen und fair vergleichen, statt über Geschmack zu diskutieren.
Wesentlich sind auch Quellen-Constraints. Wenn du vorgibst, dass nur hochgeladene Dokumente oder interne Richtlinien genutzt werden dürfen, reduzierst du inhaltliche Ausreisser. Das Modell stützt sich auf dein Material statt auf zufällige Fundstücke. So bleiben Aussagen näher an euren Standards und sind leichter zu validieren.
Warum Constraints Konsistenz erzeugen
Ein Sprachmodell wählt das nächste Wort nach Wahrscheinlichkeit. Constraints verschieben diese Wahrscheinlichkeiten in einen engeren Korridor. Länge, Ton und Struktur werden zu Rahmenbedingungen, innerhalb derer die Kreativität stattfindet. Du bekommst keine identischen Texte, aber stabil ähnliche. Genau das brauchst du in Prozessen, in denen gleichartige Aufgaben wiederkehren.
Der Effekt zeigt sich in weniger Korrekturschleifen. Formulierungen treffen eher den Ton. Relevante Details tauchen früher auf. Du investierst mehr Zeit in Inhalte und weniger in Formatierungen – ein klarer Vorteil für die Nutzung von ChatGPT im Alltag.
So formulierst du Constraints präzise
Gute Einschränkungen sind knapp und eindeutig. „Klares Deutsch, keine Anglizismen, kein Jargon“ ist verständlicher als eine lange Liste verbotener Wörter. „Drei Abschnitte mit Zwischenüberschrift, je rund zweihundert Wörter“ lässt Raum für Nuancen und verhindert trotzdem, dass der Text ausfranst. Wenn du einen spezifischen Zweck hast, benenne ihn. „Geeignet für die interne Kommunikation an die Abteilung Kreditwesen“ verankert Ton und Relevanz.
Wichtig ist die Reihenfolge. Nenne zuerst die Rolle und den Kontext, dann die Aufgabe, danach die Constraints. So weiss das Modell, wozu die Einschränkungen dienen. Eine Längenangabe wirkt anders, wenn du an die Geschäftsleitung schreibst als an neue Mitarbeitende.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Zu viele Details wirken wie eine Zwangsjacke. Das Modell kämpft dann mit widersprüchlichen Vorgaben. Besser sind wenige, starke Constraints, die zum Ziel passen. Vermeide Konflikte wie „kurz und ausführlich zugleich“. Entscheide dich für eine Priorität. Wenn ein Widerspruch unvermeidlich scheint, setze eine klare Präferenz. „Bei Konflikten gilt Verständlichkeit vor Vollständigkeit“ verhindert endlose Aufzählungen.
Ein weiterer Fehler ist das Vermischen von Constraints und Inhalt. Einschränkungen beschreiben die Form und die Spielregeln, nicht die Argumente. Wenn du Inhalte vorgibst, schreibe sie in den Kontext oder in die Aufgabe und halte die Constraints sauber. So bleibt dein Prompt wartbar und wiederverwendbar.
Kalibrieren, testen, fixieren
Constraints entfalten ihre Wirkung durch Wiederholung. Teste deine Vorgaben an zwei bis drei realen Fällen. Prüfe, wo der Text zu lang, zu kurz oder zu formal wird. Schärfe einzelne Formulierungen nach, statt alles auf einmal zu ändern. Sobald die Ergebnisse stabil sind, fixiere die Constraints in einer Vorlage. So startest du künftig nicht bei null und bekommst im ersten Wurf brauchbare Qualität.
Wenn dein Team mit Assistenten arbeitet, hinterlege die bewährten Constraints dort dauerhaft. Rolle und Kontext bleiben konstant, Aufgabe und Inhalte wechseln. Auf diese Weise entsteht eine leichte, aber wirksame Governance für KI-gestützte Texte.
Constraints als Qualitätsversicherung
Mit klaren Einschränkungen steuerst du Stil, Tiefe und Quellenlage. Das senkt Risiken in sensiblen Bereichen und erleichtert die Freigabe. Vor allem macht es die Zusammenarbeit berechenbar. Wer denselben Rahmen teilt, teilt auch die Erwartung an das Ergebnis. Das spart Abstimmungen und beschleunigt den Weg in die Anwendung.
Im Zusammenspiel mit Rolle, Kontext und Aufgabe entfalten Constraints ihre volle Wirkung. Die Rolle gibt die Perspektive, der Kontext begrenzt das Feld, die Aufgabe definiert das Ziel – und die Constraints sichern die Qualität der Ausgabe. So wird aus Experimenten ein belastbarer Prozess.
Weiterbildung: Prompt Engineering Kurs
In dieser Videoreihe erklären wir die wichtigsten Prinzipien Schritt für Schritt und zeigen, warum sie technisch tragen. Ziel: dass Nutzerinnen und Nutzer mit wenig Aufwand bessere, stabilere Resultate erzielen.
Wer tiefer einsteigen will, findet in unserem Weiterbildungsangebot mit der ZHAW ein kompaktes Format:
Prompt Engineering: ChatGPT und andere KIs lernen und produktiv einsetzen.
Der Kurs vermittelt praxisnahes Prompt Design, zeigt Prompt Templates mit ChatGPT Beispielen und macht KI im Alltag direkt anwendbar.
Mehr dazu im Video und auf der Prompting-Landingpage
Mehr Details dazu auch in diesem Video.
Zusätzlich haben wir eine Übersichtsseite über Prompt-Engineering eingerichtet.
Trage dich auch unten auf der Seite in den Newsletter ein, es erscheinen hier in den nächsten Wochen viele weitere Videos zum Thema “Prompt Engineering”.
Die gesamte Videoreihe hier im Blog:
Prompt Engineering: ChatGPT produktiv nutzen und beherrschen | Teil 1
Prompt Engineering: Die vier Bausteine für verlässliche Ergebnisse | Teil 2
Prompt Engineering: Der System Prompt | Teil 3
Prompt Engineering: Kontext ist King | Teil 4
Prompt Engineering: Die richtige Anweisung ans Modell macht den Unterschied | Teil 5
Prompt Engineering: Constraints setzen, Konsistenz gewinnen | Teil 6
Prompt Engineering: Beispiele senken die Varianz – Few-Shot richtig einsetzen | Teil 7
Prompt Engineering: Lass dir Prompts von der KI mitschreiben | Teil 8
Prompt Engineering: Vorlagen bauen, Qualität iterativ steigern | Teil 9

